Hike&Fly am Hochgrat - eine vergessene Perle

Ich hatte wieder Lust auf einen Hike and Fly in einem für mich unbekannten Fluggebiet. Die Frage war nur, wo? Durch Zufall bin ich auf ein YouTube-Gleitschirmvideo am Hochgrat (1.834 m) gestoßen, das meine Neugier sofort geweckt hat. Eine urige Allgäuer Landschaft und ein nicht überfüllter Berg waren genau das, wonach ich gesucht habe.

Den anstrengenden Aufstieg zum Gipfel von Hochgrat kann man sich natürlich als Gleitschirmflieger ersparen, indem die Hochgratbahn aus dem Jahr 1972 benutzt wird. Aber ich finde, dadurch geht der besondere Charme des Berges verloren.

Ich finde, der Aufstieg zu Fuß lohnt sich durchaus. Die Steigung ist moderat, aber nicht zu steil. Der Weg besteht ausschließlich aus Schotter, mal feiner, mal gröber. Deshalb ist es wichtig, gutes Schuhwerk zu tragen. Der Aufstieg wird belohnt mit einer idyllischen Landschaft abseits vom Massentourismus. Wer Ruhe sucht, ist hier genau richtig!

Die Aussicht nach Norden ins Flachland und nach Süden nach Österreich ist grandios. Bei guter Sicht sieht man sogar im Westen bis zum Bodensee. Überall sind frei laufende Kühe, deshalb sollte man mit Sorgfalt an den Tieren vorbeilaufen und auf die Tretminen gut achten!

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten, um vom Hochgrat mit dem Gleitschirm zu starten.

Beim Start nach Süden muss man den Grat entlang hochlaufen bis zum Gipfel. In der Regel sollte man bis spätestens 11 Uhr gestartet sein, da der südliche Wind danach einschläft und der Start unmöglich wird. Nach dem Start Richtung Süden hat man die Wahl, den östlichen oder westlichen Grat zu queren, wobei etwa 200 Höhenmeter zur Verfügung stehen. Der Landeplatz befindet sich auf der Nordseite.

Der Startplatz auf der Nordseite in Richtung Nordwesten ist über einen schmalen, steilen Trampelpfad erreichbar. Der Startplatz selbst ist nicht groß, aber groß genug für 2-3 Gleitschirme. Da der Hochgrat in Vergessenheit geraten ist, ist der Wiesenbewuchs sehr hoch, was besonders beim Auslegen von Leichtschirmen zu Problemen führen kann. Die dünnen Leinen schlingern sich gerne um alles, was sich auf dem Weg befindet. Von 11 bis 14 Uhr ist es oft sehr windstill auf dem Startplatz, aber danach setzt der Wind aus dem Flachland und/oder dem Bodensee zuverlässig ein und strömt den Startplatz an. Bei zu viel Nordwind befindet man sich jedoch in einer Leewalze am Startplatz und muss möglicherweise den Hang hinuntergehen, wobei man mit der wilden Hangbepflanzung zu kämpfen hat.

Auf der Nordseite unterhalb der Bergbahnstation gibt es noch einen weiteren Startplatz in Richtung Nordwesten. Als ich dort war, waren freilaufende Kühe unterwegs, sodass ich keine Erfahrungen mit diesem Startplatz teilen kann.

Sollte der nördliche Wind auf der Nordflanke stark genug sein, kann man von hier aus bis zum Sonnenuntergang soaren. Laut Aussagen eines Ortskundigen ist der Berg jedoch thermisch wenig geeignet für Streckenflüge.

Laut Aussagen eines lokalen Gleitschirmpiloten birgt der Hauptlandeplatz neben der Talstation (Parkplatz) Tücken. Nach einer Ablösung über dem Parkplatz kann es passieren, dass man beim Endanflug mit Rückenwind landet und nicht mehr viel Platz hat. Selbst erfahrene Piloten haben schon Bruchlandungen auf diesem Landeplatz gemacht. Deshalb sollte man lieber den hinteren Landeplatz an der Kapelle nutzen. Eine kleine Einkehr beim Gastwirt im Gasthaus erspart zudem die Landegebühr in Höhe von 3 Euro.

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