Zahmer Kaiser und Walchsee als Saisoneröffnung mit dem neuen Schirm UP Lhotse²

Meinen zweiten und dritten Flug mit dem Lhotse² habe ich in Kössen absolviert. Hier kenne ich mich mittlerweile ein wenig aus und so konnte ich mich voll und ganz auf den neuen Schirm konzentrieren. Der zweite Flug wurde für ein paar Manöver geopfert, um den Schirm etwas besser kennenzulernen.
Beim dritten Flug bin ich zur Mittagszeit vom oberen Startplatz gestartet. Gleich nach dem Start konnte ich auf über 2.400m aufdrehen. Der Höhenwind war mit 10km/h aus Nord sehr human. So entschloss ich mich zum Zahmen Kaiser zu fliegen und den neuen Schirm gleich auf Herz und Nieren zu prüfen.
Also ging es erstmal von Unterberghorn (1.773m) über den Schanppenrücken zum Scheibenkogel (1.614m). Angekommen am Scheibenkogel, mit einer Resthöhe von 1.500m, konnte ich luvseitig wieder Höhe tanken. Die Thermik war schwächer und ich musste deutlich enger kurbeln als noch am Unterberghorn. Mit etwas Geduld krabbelte ich so auf 2.200m Höhe. Der Wind kam aus Nord-NNO mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 12km/h. Alles im grünen Bereich! Bereits hier zeigten sich mir gewaltige Unterschiede zwischen dem alten Schirm und dem Lhotse². Den Schirm konnte ich wie einen präzisen Skalpellschnitt setzen und in der engen Thermik immer nachsetzen und korrigieren. Ein Träumchen!
Hier war der Zahmer Kaiser zum Greifen nah. Allerdings wurde auch der Gegenwind bzw. Talwind immer stärker. Somit war mir klar, dass ich den nördlich gelegenen Heuberg (1.603) luvseitig anfliegen muss. Danach aufsoaren und aufdrehen oder improvisieren. Am Heuberg bin ich genau auf der Höhe von Gipfelkreuz angekommen. Es bot sich mir eine atemberaubende Aussicht in dem Kessel vom Zahmer Kaiser an. Unfassbar schön und ehrfürchtig der Anblick aus der Perspektive eines Gleitschirmfliegers. Es blieb mir leider keine Zeit zum Glotzen übrig. Beim Aufdrehen musste ich mit der bereits garstigen Luft unter neuem Schirm zurechtkommen. Hier kam bereits der Wind aus WWS mit ca. 6km/h - ich vermute, hier war der Talwind dominanter als der überregionaler Wind. Nach etwas Höhengewinn entschloss ich mich wieder den Walchsee zu queren. Ich konnte es wieder nicht lassen. Dieser See zieht mich magisch an. Der Rückflug auf der Südseite des Tals wäre definitiv die einfachere Route gewesen.
Blick Richtung Inntal.
Blick zurück Richtung Zahmer Kaiser.
Die Walchsee Überquerung ist einfach ein Traum. Zeit für Fotos und etwas Entspannung. Nach der Seeüberquerung war ich auf der nördlich gelegenen Riedlberg (1.135m) über dem Hausberg (951m) mit einer Resthöhe von 1.080m angekommen. Nicht viel Arbeitshöhe. Meine Idee war, hier im Lee, auf der sonnenbeschienene Seite aufzudrehen und entlang dieser Bergkette zurück nach Kössen zu gleiten. Ich konnte auch bis ca. 1.300m aufdrehen. Die Thermik war definitiv da. Fatalerweise glich dieser Bereich einem kochendem Wassertopf mit turbulenter Strömung. Punktuelle Steigwerte um die 7,1 m/s und Böen bis 21 km/h aus unterschiedlichen Richtungen. Der bayerische Wind und der Talwind haben diese Bergkette bereits umspült und die Thermik teilweise zerfetzt. Mir war das Risiko des Rückfluges unter solchen Bedienungen einfach nicht wert. Mit Flucht in die Talmitte konnte ich mich aus der turbulenten Zone herausbringen und bis auf 3,5km an Kössen heranmogeln. Nicht weit von der Außenladung, welche ich vor 2 Jahren gemacht habe. Nach der Landung hat sich meine Vermutung bestätigt: der bayerische Wind war deutlich präsent.
Nach 1 Stunde und 3 Minuten Airtime habe ich mich doch etwas über meine Entscheidung für eine Außenlandung geärgert. Ich bin mir sicher, es hätte bis zum offiziellen Landeplatz gereicht, auch wenn der weitere Flug eher einem Schleuderprogramm einer Waschmaschine gleich käme. Nichtsdestotrotz war das ein schöner Flug und ich will mich eigentlich gar nicht beschweren. Ich lerne bei jedem einzelnen Flug immer etwas dazu und das gefällt mir an diesem Sport so besonders. Kein Stillstand!

3D Visualisierung des Fluges bei Sportstracklive

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