Gequatsche in der Luft, aber wie?

Na klar, ist ja ganz einfach. Einfach laut genug brüllen und schon versteht der Fliegerkollege in 50 Meter Entfernung auch nur Ansätze davon, was man eigentlich gemeint hat. Das ist natürlich keine effiziente Methode beim Fliegen zu kommunizieren. Alleine schon aus Rücksicht auf andere Menschen und natürlich die Tierwelt sollte eine andere Lösung bevorzugt werden.

Wenn man nicht alleine zum Fliegen geht, dann kommt man relativ schnell an dem Punkt an, an dem man sich auch in der Luft mit den Fliegerkollegen austauschen möchte. Sei es nur ein sinnloses Geplapper, oder auch Austausch strategischer Informationen über weitere Flugroute bzw. einen wichtigen Fund einer Thermikquelle.

Bereits während der Ausbildung kommt man mit einem LPD bzw. PMR-Funkgerät in Kontakt. Vorteile von solchen frei zugänglichen Walkie-Talkies sind sehr günstige Anschaffungskosten und ein legitimer Einsatz fast in ganz Europa. Zu den Nachteilen gehört die geringe Reichweite am Boden und geringe Anzahl an möglichen Funkkanälen. In der Stadt macht so ein Funkgerät meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn. Zu viele Störquellen sorgen für viel Frustpotential. Aber beim Gleitschirmfliegen ohne jegliche Stahlbeton-Barrieren sieht die Sache schon ganz anders aus. Im Flachland kann unter idealen Voraussetzungen bei einer Luft zu Luft-Verbindung eine Entfernung bis zu 20 km und teilweise auch mehr erreicht werden. In der Realität konnte ich eine Kommunikation bis ca. 8 km Entfernung herstellen. In den Bergen ist die Reichweite logischerweise durch die starke Signaldämpfung geringen. Aber für mich und wahrscheinlich auch für die meisten Piloten reicht ein PMR-Funkgerät vollkommen aus.
Eine anständige Kommunikation (ohne lästigen Störgeräusche) nur mit einem Walkie-Talkie ist im Flug einfach nicht möglich. Außerdem, um nicht ständig an das Walkie-Talkie greifen zu müssen, habe ich ein zusätzliches Headset im Helm eingebaut. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Die Auswahlkriterien für die Lösung waren wie immer die gleichen. Das Budget von 50 EUR darf nicht überschritten werden. Natürlich kann man teure Fertiglösungen kaufen, aber wo bleibt der Spaß dabei? Die Windgeräusche müssen deutlich reduziert werden, und zwar so, dass beim Quatschen kein Tinnitus Schaden entsteht. Modulare Integrität wird benötigt. D. h. Wenn ich alleine unterwegs bin, brauche ich kein Funkgerät, also muss auch das Headset leicht ausbaubar sein. Außerdem darf die Lösung auch über Stunden keine Druckstellen im oder am Ohr hinterlassen.
Somit war für mich jegliche Art von In-Ear-Kopfhörer als Lösung ausgeschlossen. In diversen YouTube Videos habe ich immer öfters die integrierten Headsets für Motorradfahrer gesehen. Also habe ich mir ein passendes Headset für mein Funkgerät zum Nachrüsten für 22 EUR gekauft. Dabei handelt es sich um ein Headset für offene Motorradhelme von der chinesischen Firma Zeadio. Es ist vom Hersteller so vorgesehen, dass die Ohrmuschel mit einem selbstklebenden Klettverschluss am Innenfutter des Helmes befestigt wird. Das ist natürlich Quatsch. Ich habe das Klettband mit Schlaufen (die weiche Seite) von Innen an dem herausnehmbaren Ohrenschutz festgenäht. Das ermöglicht bei Bedarf ein sehr einfaches Anbringen der Kopfhörer.
Die Mikrofonbefestigung habe ich auf die gleiche Art befestigt. Das dazugehörige Klettband mit Schlaufen (die weiche Seite) von außen an dem herausnehmbaren Ohrenschutz festgenäht. Hier sorgt die Druckknopf Arretierung vom PLUSMAX Helm für einen zusätzlichen Schutz. Dadurch kann man das Mikrofon in alle Richtungen bewegen, ohne das der kleine Klettverschluss sich plötzlich löst.
Die originale Verkabelung ist für einen universellen Einsatz gedacht und somit sehr, sehr lang. Deshalb habe ich die Verkabelung zwischen dem Mikrofon und den beiden Kopfhörern aufgetrennt und an meinen Helm entsprechend angepasst. Die gesamte Verkabelung ist innerhalb des Helmfutters verlegt und stört dadurch keineswegs. Die Skibrillen Halterung hinten dient als eine Art Knotenpunkt. Als Zugentlastung habe ich am hinteren Ende des Innenfutters einen Klettverschluss eingenäht. Dieses Hilfsmittel sorgt dafür, dass man bei Fliegen bedenkenlos sein Kopf in alle Richtungen drehen kann ohne sich sorgen zu müssen, die Verkabelung herauszureißen.
Zum Headset gehört auch ein PTT Button (Push-to-Talk) dazu. Diesen Button befestige ich aktuell am linken Karabiner. Es ist noch nicht optimal gelöst. In manchen Situationen muss man die Steuerungsleine loslassen, um ein Funkspruch zu tätigen. Bei turbulenten Bedingungen überlegt man sich die Notwendigkeit mehrmals. Außerdem ergibt sich dadurch ein weiterer offener Kabelstrang im Cockpit. Ich denke, die ideale Position wäre tatsächlich irgendwo am Helm. Da kommt man in der Regel immer hin, ohne die Steuerleine ständig loslassen zu müssen. Hier besteht noch Verbesserungspotential für zukünftige unfliegbaren Wochen und Monate.

Aber in erster Linie kommt es auf die Sprach- und Wiedergabequalität an. Und diese Eigenschaften sind hervorragend. Sehr überraschend für mich, wenn man den niedrigen Preis bedenkt. Man hört überhaupt keine Windgeräusche. Die Stimme ist klar und deutlich zu hören. So macht quatschen in der Luft richtig Spaß. Als Nächstes werde ich eine Luft zu Boden Sprechverbindung ausgiebig testen. So könnte meine Familie jederzeit nachfragen wie es mir gerade geht.

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