Wer hätte gedacht, dass ich dieses Jahr nochmal freiwillig irgendeinen Berg hochlaufe, obwohl die Bergbahnen noch fahren. Aber ich hatte mal wieder Lust auf ein gemütliches Hike&Fly verspürt. Natürlich wollte ich dabei auch ein neues Fluggebiet ausprobieren, ohne den großen Ansturm der Wochenendpiloten ertragen zu müssen. Der Jägerkamp am Schliersee erschien mir für mein Vorhaben als perfekt geeignet.
Der Aufstieg vom Landeplatz in Neuhaus über die Alte-Spitzingstraße und die Jägerbauernalm bis zum West-Startplatz, mit ihren 700 Höhenmetern, ist samt Gleitschirm auf dem Rücken unter 2 Stunden gut machbar. Nach anfänglichem Forstweg und einer kurzen Laufpassage auf der asphaltierten Straße (St2077) Richtung Spitzingsee, steigt man später im schattigen Bergwald einen steinigen Wanderweg empor. Das Tragen vom rutschfesten Schuhwerk ist hier empfehlenswert. Oben angekommen, geht man links an der Jägerbaueralm wieder Richtung Norden auf der Bergweide entlang. Den Startplatz kann man eigentlich nicht übersehen.
Die Tageskarte ist in Form von QR-Code am Startplatz hinterlegt und kann bequem mit PayPal bezahlt werden. Vorausgesetzt man hat oben eine funktionierende Netzverbindung. Mit meinem eher schlechten O2-Netz am Jägerkamp musste ich die App mehrmals dazu auffordern die Bezahlung zu tätigen.
Beim ungünstigen Wind kann durch die geländebedingte Düse ein sehr starker Talwind am Landeplatz entstehen. Am Startplatz bekommt man davon überhaupt nichts mit. Bevor man also den steinigen Wanderweg hochläuft, sollte der Talwind nochmals genau beobachtet und bewertet werden.
An diesem Tag war ein moderater Westwind von diversen Wettermodellen gemeldet. Im Tal habe ich erwartungsgemäß einen Südwind mit sehr starken Böen vorgefunden. Den Aufstieg habe ich trotzdem auf mich genommen und habe am Startplatz ein Wechselspiel zwischen Süd- und leichtem Westwind vorgefunden.
Nach dem Start habe ich schnell den Entschluss gefasst, die sonnenbeschienene und steinige Ostflanke von Brecherspitz anzufliegen. Da der Westwind in der Flughöhe kaum anstand, musste ich keine gefährliche Lee-Situation befürchten.
An der Ostflanke konnte ich bereits leichte Wärmepakete vorfinden. Zum Aufdrehen hat es noch nicht ausgereicht, aber für einen verlängerten Abflug allemal. Ich bin mir sicher, dass ich hier nur eine Stunde später bereits aufdrehen hätte können. Belohnt wurde ich auch so mit einem hervorragenden Genusflug. Es bleibt für mich als ein schönes Fluggebiet in Erinnerung.
Als Vorbereitung für den geplanten Streckenflug von Wallberg nach Kössen, muss ich den Jägerkamp nochmal zu einer thermisch aktiveren Zeit besuchen. Ich komme definitiv wieder!
Hike&Fly am Jägerkamp - was für ein Genus
vonGene
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